Über die Rollenverteilung an Bord

 

An Bord sind die verschiedensten Aufgaben zu erledigen. Zu Beginn unserer Segelkarriere war es mir ein grosses Anliegen, alle Aufgaben an Bord übernehmen zu können. Ich wollte alles lernen, alles wissen, alles können. Dies war für mich auch aus Gründen der Sicherheit, eine wichtige Grundlage des zu zweit auf dem Meer unterwegs Seins.

 

Schon während der Ausbildung wurde ich jedoch eines Besseren belehrt: auf See gibt es unumstössliche Regeln. Diese beinhalten auch klar, was Aufgabe des Mannes und was Aufgabe der Frau ist. So war ich ausgeschlossen von den Erklärungen des Skippers, wenn es z. B. ums Ankerwerfen, Navigieren, Segelsetzen, Motoranlassen, und Manövrieren ging. Um es trotzdem zu erlernen, gewöhnte ich mir deshalb an, mich jeweils vorzudrängen, um etwas von den Erklärungen mitzubekommen. Gar kam es vor, dass ich Bernhard wegschob, um auch einmal den Anker werfen zu können.

Anderes durfte ich dann ungefragt machen, so z. B. den Einkauf der Lebensmittel planen und in der Küche den Abwasch übernehmen - auch die Aufgabe des Kochens fiel von Anfang an mir zu.

 

Was ich zudem auf See als Frau - wie übrigens auch Bernhard als Mann - machen durfte, war, bei ausgeschaltetem Autopiloten stundenlang den Kurs zu halten. Diese ziemlich eintönige und mit der Zeit anstrengende Aufgabe, kann man als Segelkadett leider selten recht machen. Als mir manchmal in der Bretagne das Kurshalten zu bunt wurde, schaltete ich den Autopiloten ein.

 

Heute ist das Kurshalten für Bernhard und mich überhaupt kein Problem mehr, zudem zeigte es sich, dass es nicht so wichtig ist, es perfekt zu können - wichtiger zum Beispiel ist das Kartenlesen.

 

Ich denke, Grund dafür, dass in der Schifffahrt die Rollen so klar festgelegt und entsprechend schwer zu ändern sind, ist in der Geschichte der Seefahrt zu finden; dennoch möchte ich nicht, wie auf gewissen Werbeprospekten dargestellt, als leichtbekleidete Galionsfigur die Meere bereisen.

 

Ziel an Bord ist es, Schiff und Crew sicher von A nach B zu bringen, dabei gilt es, voneinander zu lernen, damit beide fähig sind, diese Aufgabe zu erfüllen. Beide haben wir unterschiedliche Stärken - Bernhard z. B. ist gewieft im Setzen und Trimmen der Segel, er hat auch mehr Kraft als ich, und Kraft ist manchmal notwendig, um Probleme zu lösen. Mir liegt z. B. das Navigieren - ich mag es, mit der 12-tel-Regel die Gezeiten zu berechnen und bin zudem sicher im Abstecken der Törns - so ergänzen wir uns gegenseitig und können zudem voneinander lernen.

 

EB