Törnplanung

Voraussetzung für einen erfolgreichen Törn ist die Pflege und Wartung des Schiffs. Der Spruch: "Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.", trifft an Bord ganz besonders zu. Es gilt, alles zu reparieren, was nicht mehr ganz funktionstüchtig ist. Weiter müssen die Batterien geladen sein, damit unterwegs die Versorgung der Navigationsgeräte, des Funkes (VHF) und der Positionsleuchten, etc. gewährleistet ist. Es muss sich genügend Treibstoff in den Tanks befinden, damit, falls der Motor zu Hilfe genommen werden muss, das Ziel dennoch erreicht werden kann. Auch der Gasvorrat muss überprüft und falls nötig ergänzt werden und letztendlich muss genügend Essen und Trinkwasser für die bevorstehende Etappe an Bord sein.

 

Es gibt Segler, die sagen, dass die Vorbereitung zweidrittel der Zeit beansprucht und das eigentliche Unterwegssein den restlichen Drittel ausmacht.

Unser ausführliches Logbuch
logbuch.pdf
Adobe Acrobat Dokument 246.1 KB

 

Die Törnplanung beinhaltet folgende Punkte:

  • Wetterbeobachtung:  Es gilt, sowohl die Grosswetterlage, als auch die lokalen Wetterverhältnisse zu beobachten und in die Planung miteinzubeziehen. Wie war die Wetterlage vor ein paar Tagen, was kommt voraussichtlich auf uns zu, was ist momentan die Situation auf dem Meer? Manchmal kommt ein Sturm schneller, als vorausgesagt, wechselt die Richtung oder flaut ab, so dass statt gesegelt, 'motort' werden muss.
  • Wellengang: Wie hoch sind die Wellen, der Sturm ist zwar abgeflaut, aber es ist noch mit Restdünung zu rechnen und aus welcher Richtung kommen die Wellen - bringen sie uns voran oder bremsen sie die Fahrt?
  • Gezeiten: Im Atlantik erlebten wir bei Voll- und Leermond teilweise mehr als 6 m Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut. Viele Häfen boten uns zuwenig Tiefe während der Ebbe oder sie hatten eine Schwelle (z. B. Guernsey - St. Peter Port), die bei Ebbe aus dem Wasser herausragte, so stellte sich die Frage, von wann bis wann können wir in die Häfen rein oder raus, ohne aufzulaufen?

Hier auf den Fotos die Gezeitenunterschiede am Beispiel von Concarneau (Bretagne).

  • Kartenlesen: Herauslesen der Kartentiefen, Untiefen, Strömungen (siehe auch weiter unten), wo hat es mögliche Hindernisse, gibt es Seezeichen und Leuchttürme und wo finden wir eine Detailansicht vom angesteuerten Hafen.
  • Strömungen: Wann fliesst der Strom und aus welcher Richtung und wie stark (im Atlantik, seltener auch im Mittelmeer). Je nach Strömung kann es sein, dass die Segel gebläht sind, wir 6 kn Fahrt durchs Wasser (FdW) machen und trotzdem das Schiff über Grund (SoG) kaum vorwärts kommt.

In der Südbretagne erlebten wir eine sehr bewegte See. Trotz ruhigen Windverhältnissen kann man hier auf dem Bild an den Strömungswirbeln erkennen, wie bewegt das Meer ist und bei Vergrösserung sieht man auch das schräg in der Strömung liegende Seezeichen.

In dieser engen Passage bei der Isle of Wight hatten wir eine sehr starke Strömung aus der Gegenrichtung, sodass wir, trotz gutem Wind, nur 1 kn Fahrt (SoG) machten. Das war jedoch nicht weiter schlimm, denn die Kalkfelsen und der malerische Leuchtturm waren einfach wunderschön und so konnten wir diesen Ort etwas länger auf uns wirken lassen.

  • Schiffsverkehr: Segeln wir durch eine Fischereizone oder ist Sonntag und viele Motorboote sind unterwegs? Hat es vortrittsberechtigte Fährschiffe? Wann ist eine stark befahrene Gegend oder ein Fahrwasser, wie z. B. der Channel, vom Schiffsverkehr her am leichtesten zu durchqueren?

Viel Verkehr erlebten wir z. B., als wir nachts von Korsika nach Elba unterwegs waren.

Nach einer wunderschönen Nachtfahrt, unter sternenklarem Himmel, erreichen wir Elba im Morgengrauen unter Motor. Leider konnte ich zuvor im Mondschein mit meinem Gerät keine Foto von den Frachtern machen, die teilweise sehr nahe an uns vorbei zogen.

  • Hafen oder Ankerplatz: Wollen wir am Ende der Tagesetappe vor Anker liegen oder in einen Hafen einlaufen? Benötigen wir z. B. Nahrungsmittel, Diesel oder Strom? Oder wo gibt es Ankerplätze, wie ist der Ankergrund beschaffen? Ist der Hafen immer zugänglich oder gibt es nur bestimmte Zeiten, während denen er angelaufen werden kann - etwa in einem Gezeitengebiet, weil dann die Brücke geöffnet oder genug Tiefgang vorhanden ist? Hilfreich sind auch Hafenführer in Buchform, die die Häfen der Gegend und ihre Ankerplätze beschreiben.

Die erste Foto zeigt die Hafeneinfahrt von Le Palais (Bretagne), das Foto rechts daneben zeigt unser Einlaufen in den Hafen von Vannes (Bretagne) - mit genügend Wasser über der Schwelle, das nächste zeigt die gleiche Einfahrt am nächsten Tag beim Spaziergang kurz vor Ebbe. Auf der letzten Foto liegt OYÀ vor Anker in der Bucht von Biodola (Insel Elba).

  • Plan B, C oder D: Oft planen wir mehrere Optionen für die Tagesetappe, z. B. überlegen wir uns, wo wir hinsegeln können, wenn die Zeit nicht reicht, um den gewählten Hafen anzulaufen oder was wir machen, wenn in der Bucht alle Ankerplätze belegt sind.
  • Kursabstecken: Haben wir alle Punkte berücksichtigt, gilt es, den Kurs abzustecken und die Zeit für das Ablegen zu Planen. Falls immer möglich planen wir, bei Tageslicht am Ziel anzukommen, damit wir z. B. sehen, wo wir ankern können oder im Mittelmeer z. B. auch deshalb, weil die Ormeggiatori dann noch vor Ort sind.

Heute sehr hilfreich bei der Planung ist das Internet. Es gibt eine Vielzahl von Apps, deren Benutzung die Planung wesentlich erleichtert. Wir navigieren z. B. seit Frühjahr 2017 mit Navionics. Diese App war bisher zu 100% zuverlässig, so dass unser Vertrauen in sie mit der Zeit wuchs. Mit ihr lassen sich Törns leicht abstecken. Sie gibt die Kartentiefen zuverlässig an, beinhaltet auch Telefonnummer und VHF Channel der Häfen, zeigt gute Ankerplätze an und berechnet die zu erwartende Ankunftszeit. Parallel dazu verwenden wir Seekarten in Papierform, zusätzlich benutzen wir nachts oder bei Nebel zur besseren Orientierung und eventuellen Kurskorrektur Radar und AIS (siehe Link: Automatic Identification System). Im Atlantik haben wir aus Sicherheitsgründen doppelt navigiert und teilweise halbstündlich unsere Position in die Karte übertragen.

Weiter gibt es z. B. Apps um die Gezeiten zu berechnen, das Wetter zu verfolgen oder um den Ankerradius zu beobachten

EB